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Camping am Strand von Newgale

Ich fange jetzt nicht an mit „Wer kennt das nicht: …“, denn die wenigsten von euch waren wahrscheinlich schon mal in der Situation. Daher lieber so: Falls ihr euch mal einen Camper mietet oder sogar kauft, werdet ihr wahrscheinlich auch in das folgende Dilemma geraten. Vor dem Start der Reise träumt ihr noch von der großen Freiheit, romantischem Campen am Strand o.ä. verlockenden Plätzen. Spätestens unterwegs werdet ihr aber feststellen, dass in den meisten Ländern das sogenannte wilde Campen, also das Übernachten auf öffentlichen oder privaten Grundstücken, verboten ist – egal, ob mit Zelt oder mit Wohnmobil. Was tun? Um genau das und vor allem um wildes Campen mit dem Wohnmobil in Großbritannien geht es in diesem Beitrag.

Wer braucht schon einen Campingplatz?

Ganz fix ist man dann auf der Suche nach dem nächsten Campingplatz, wo man dann zwar Komfort wie Duschen, Toiletten usw. genießen kann. Von Campingromantik und großer Freiheit ist dann aber nicht mehr viel zu spüren. Außerdem hofft man ja auch beim Kauf/ Mieten eines Campervan (zumindest insgeheim), dass man sich damit auch die Kosten für die Übernachtung spart. Davon kann aber keine Rede sein, wenn man wie z.B. während unseres UK-Trips rund 25 £ (knapp 28 €) pro Nacht für den Stellplatz (inkl. Stromanschluss) zahlt.
Wir halten es daher weitestgehend so, dass wir einen Tag wild campen und am nächsten einen Campingplatz aufsuchen, dann wieder wild usw.

Im Prinzip kann man mit einem Campervan auch zu viert mal ganze vier Tage autark leben, bis einem das Frischwasser ausgeht, die Toilette voll ist oder der Abwassertank. Spätestens dann muss man auf den Campingplatz, weil zumindest hier in UK die Chemietoilette nur an entsprechenden Stellen auf Campingplätzen geleert werden kann. Und auch Frischwasser kriegt man nicht so ohne Weiteres in großen Mengen an jeder Ecke.

Steckdose und Waschmaschine – zwei Argumente für den Campingplatz

„Kein Campingplatz“ bedeutet eben auch „kein 230V-Anschluss“. Und ohne den können wir den Laptop nicht laden. Wenigstens die Handys können wir aber mit Hilfe eines 12V-USB-Adapters auch an der Batterie für den Wohnbereich aufladen.
Dazu kommt das gelegentliche Bedürfnis nach einer Dusche und die Notwendigkeit, eine Waschmaschine zu benutzen (zumal wir waschbare Windeln verwenden).
Hardcorecamper werden über meine Zeilen vielleicht lachen. Ich möchte aber noch mal darauf hinweisen, dass wir mit einem Säugling reisen.
Von daher kommen wir also mit dem abwechselnden wildwn Campen und Campingplatzaufenthalt ganz gut zurecht.

Wildes Campen – ja wie denn nun?

Bleibt die Frage, wo man denn nun überhaupt campen darf und wie man diese Plätze findet. Nachfolgend unsere Erfahrungen aus der UK-Reise. Ähnlich war es aber schon in Australien. Und sicher lassen sich meine Empfehlungen auch auf viele andere Länder übertragen.

Rastplätze
Autobahnrastplätze sind nicht gerade sexy. Übernachten im Fahrzeug ist hier aber eigentlich immer erlaubt. Muss man einfach nur von A nach B so wie bei unserer Fahrt von Nürnberg nach Dover, kann man schon mal einen Rastplatz wählen. Wir haben in Belgien auf einem kleinen Parkplatz ohne jegliche Infrastruktur übernachtet. Kein Problem, sind ja „self-contained“.

Campervan auf einem Parkplatz an der belgischen Autobahn
Unsere erste Nacht: Camperromantik auf einem belgischen Autobahnrastplatz

Hinweise im Internet
Ich bin auf die Seite Motorhome Wildcamping UK gestoßen. Von dort aus kann man Google Maps öffnen und bekommt unzählige Markierungen eingeblendet, die auf Parkplätze an Aussichtspunkten, öffentliche (Bezahl-)Parkplätze usw. hinweisen. So fanden wir beispielsweise gleich nach der Einreise nach Wales den versteckt und wunderschön gelegenen Parkplatz eines Picknickplatzes, wo Übernachten nicht verboten ist. Wichtig: Nirgendwo steht „Overnight Campers Welcome“. Oft trifft man hingegen auf ein „No Overnight Camping“. Man kann aber immer getrost der Regel folgen. Wenn es nicht expliziert verboten ist, ist es erlaubt.

Nachtrag (unbezahlte Werbung): Im späteren Verlauf der Reise bekam ich von einem anderen Camper aus Deutschland den Tipp, mir mal die App „Park4Night“ anzuschauen. Diese listet öffentliche Parkplätze, z.B. in Nationalparks, Bezahlparkplätze u.v.m. auf und enthält auch Beschreibungen und Bewertungen von Nutzern. Die App ist ein unbezahlbarer Helfer bei der Suche nach einem kostenlosen und den eigenen Anforderungen entsprechenden Stellplatz für die Nacht.

Dem Herdentrieb folgen und nicht schüchtern sein
Unser schönster Übernachtungsplatz war an der walisischen Küste kurz vor dem Ortseingang von Newgale. Es handelte sich im Prinzip um einen etwas breiteren Straßenrand. Die Aussicht auf den Strand war fantastisch. Vor uns und hinter uns standen schon zwei Camper, die scheinbar auch über Nacht bleiben wollten. Den einen fragte ich, ob es ihm was ausmacht, wenn wir hinter ihm stehen bleiben. Antwort: „It’s a free country. Not like in Germany.“ Aha, britischer Humor.
Mehr zu unseren Erlebnissen in Wales findet ihr in Annettes Artikel.

Blick aus dem Camper auf den Newgale Beach
Blick vom Esstisch auf den Strand von Newgale/ Wales

Ein anderes Mal, war ein Parkplatz nahe eines Aussichtspunkts zu einem Restaurant zugehörig. Einfach kurz gefragt, ob Übernachtung ok. Siehe da, kein Problem. Wir sollten nur der Schicht der Chaplaincy Bescheid geben. Das sind Freiwillige von der Kirche, die nahe der Klippen Lebensmüde vom Selbstmord abzuhalten versuchen. Wildes Campen mit dem Wohnmobil in Großbritannien muss ja auch nicht immer ganz so wild sein.

Frühstück neben dem Camper auf dem Parkplatz am Beachy Head
Frühstück am Restaurantparkplatz nach der Klippen des Beachy Head


Und auch ein weiteres Mal hat freundliches Fragen geholfen: In Ambleside im Lake District war es schon relativ spät, wir wollten einen Campingplatz bzw. die Kosten dafür vermeiden, aber zwei der bei Motorhome Wildcamping UK aufgeführten Parkplätze hatten vor Ort einen expliziten Hinweis, dass Übernachten verboten ist. Aber bei der Ortsdurchfahrt hatte ich einen Parkplatz an einem Sportplatz (Rugby Club) gesehen. Leider auch dort ein Schild: No Overnight Camping.
Allerdings waren noch zwei Vereinsmitglieder bei der Gartenarbeit. So habe ich einfach gefragt und deren Zustimmung, über Nacht hier zu parken, bekommen.

Camping am Parkplatz des Ambleside Rugby Clubs
Camping mit Grillerchen am Parkplatz des Ambleside Rugby Club

Fazit

Man wird nirgendwo Hinweisschilder finden „Hier bitte wild campen“. Aber mit etwas Googeln und ein bisschen Chuzpe ist es gar nicht so schwer, einen kostenlosen Übernachtungsplatz zu finden und wildes Campen mit dem Wohnmobil in Großbritannien in die legale Praxis umzusetzen.

P.S. Schon mal was von CouchStellplatzsurfing gehört?

Ich habe es in Wales und Schottland zweimal versucht, über Couchsurfing einen Stellplatz bei jemandem vor dem Haus zu bekommen. Da wir aber selten wussten, wo genau wir am nächsten Tag sein werden, konnte ich geeignete Couchsurfing Hosts nur mit max. 1-2 Tagen Vorlauf anfragen. Entweder waren sie aber nicht zu Hause oder haben verspätet (oder gar nicht) geantwortet). So ist es mir bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht gelungen, auf diese Weise einen Stellplatz für die Nacht zu bekommen. Ich bin mir aber sicher, dass das über Couchsurfing funktioniert, wenn man etwas länger im Voraus planen kann und entsprechend bei potenziellen Gastgebern anfragt.

SPARTIPP FÜR CAMPINGPLÄTZE
Abschließend noch ein kleiner Spartipp, wenn man dann doch am Campingplatz übernachtet,
obwohl man gar keinen Strom braucht:
einfach fragen, ob es auch Stellplätze ohne Stromanschluss gibt.
In UK waren das je nach Campingplatz bis zu 5 £ Preisunterschied zu Stellplätzen mit Strom.

Jochen Koch

6 Replies to “Wildes Campen mit dem Wohnmobil in Großbritannien”

  1. Ich könnte einen Stellplatz als Couchsurfing anbieten für Menschen auf der Durchreise von Nord nach Süd, allerdings nur in Bayern.😀

  2. Hallo ihr Weltenbummler,
    ich kenne dieses Gefühl von „Freiheit wir kommen“ und dann dem Moment, in dem man feststellt, dass man im Prinzip nur auf Campingplätzen stehen darf. Die für mich genau das Gegenteil von Romantik, Freiheit oder Abenteuer sind. Wir haben auf unserem Road Trip deshalb auch immer wieder wild gecampt, in Portugal geht das ja gut, in Spanien haben wir auch tolle Plätze gefunden und in Andorra sind wir mit einem unfassbar schönen Ausblick aufgewacht. Und das haben wir alles spontan gefunden, hat aber natürlich auch ganz schön Zeit in Anspruch genommen. Das nächste Mal werde ich mir eure App-Empfehlung runterladen, die kannte ich nämlich tatsächlich noch nicht. Bin gespannt, welche Plätze sich darüber finden lassen.

    Zum Wildcampen in Europa, wo es offiziell erlaubt ist und wo nicht und zu den Erfahrungen, die wir mit dem Camperleben allgemein gemacht haben, habe ich auch einen Blogartikel geschrieben, ich denke der ergänzt euren hier super. Deshalb lasse ich mal den Link da: https://passenger-x.de/reisen/road-trips/infos-tipps-wild-campen-in-europa/

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGERX

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